Die Burg Bilstein soll wieder leben


Author: cheffe posted in Bilstein Aktuelles on 2016-11-13 15:14:30

Tags: burg bilstein

Bericht. derwesten

Bilstein. Dennis Brosseit, 42, Herbergsvater, will der Burg Bilstein wieder mehr Leben einhauchen. Der Dorfgemeinschaft wird das neue Konzept schmecken.

Die Burg Bilstein hat einen neuen „Burgherren“. Im Wohnturm der 791 Jahre alten Gemäuer brennt nun auch abends wieder Licht und auch in übrigen Fenster sollen demnächst wieder hell erstrahlen. Denn Licht bedeutet „Leben“ und genau das will der neue Herbergsvater Dennis Brosseit der Burg wieder einhauchen. „Die Burg soll wieder leben“, sagt der 42-jährige gebürtige Rheinländer. Das ist auch die Kernaussage seines Konzepts für die Jugendherberge am Bilsteiner Rosenberg.

Geschlossene Gesellschaft
Den Ort, die Stadt und auch die Region wird´s freuen, denn in den letzten Jahren hatte sich die Jugendburg unter der alten Leitung mehr und mehr abgekapselt, geradezu eingeigelt. Bis auf die imageträchtigen Fantasie-Events gab es fast nur noch interne Veranstaltungen. Das Standesamt mit Trauzimmer wurde aufgegeben, es gab keine Feiern und Feste mehr, private Vermietungen für Feiern waren nicht mehr gewollt.

Das war gestern. Seit 1. Oktober, weht nun wieder ein neuer Geist auf der Burg. Zusammen mit der Dorfgemeinschaft und der Stadt will der neue Chef die Burg wieder öffnen und ist für alles offen: Feste, Feiern, Hochzeiten, Kultur, Musik etc. Anfang kommenden Jahres wird es einen Tag der Offenen Tür für alle Bilsteiner und Interessierte geben und ab sofort sind Tagesausflügler und Wandergäste wieder gern gesehen. „Wir brauchen Bewegung auf dem Gelände“, sagt Dennis Brosseit, je mehr, desto besser.

In den letzten Wochen hat er behutsam an den ersten Stellschrauben gedreht: In den Blumenkübeln im Burghof wächst jetzt frisches Erika, Lichterketten am Eingangsbogen und an der Treppe zum Haupttrakt begrüßen den Besucher und im Souvenirshop gibt es jetzt stilecht kleine Ritter statt Delphine als Schlüsselanhänger.

Baulich ist die Burg in einem guten Zustand, die letzte größere Modernisierung liegt erst wenige Jahre zurück. Für den Herbergsvater eigentlich ein ungewohntes Terrain, denn bei seinen bisherigen, Stationen ging es immer um Neubauprojekte.

Mallorca und Rügen
Der studierte Sonderschulpädagoge, geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Dormagen, absolvierte parallel zum Studium eine Ausbildung zum Touristiker und heuerte bald in dieser Branche an. Fünf Jahre managte er ein Fünf-Sterne-Hotel in Berlin. „Dort habe ich gelernt, auf vielen Parketts zu tanzen“, schmunzelt der smarte Touristikprofi. Dann zog es ihn mit Sack und Pack auf die Ferieninsel Mallorcas, wo er eine Hotelruine kaufte, sanierte und als Hotel „Casa Poesia“ erfolgreich betrieb.

Nach sieben Jahren lockte Dennis Brosseit ein besonderes Projekt zurück in die Republik. Das Deutsche Herbergswerk beauftragte ihn, in Prora auf Rügen, in den Ruinen des unvollendeten Kdf-Seebads, das die Nazis dort von 1936 bis 1939 errichteten, eine 500-Betten-Jugendherberge mit Zeltplatz für 1000 Gäste aufzubauen. Dennis Brosseit hat es hinbekommen.

Dagegen klingt der Job in Bilstein wie Erholungsurlaub. Wird es aber nicht, denn die Übernachtungszahlen der Burg (209 Betten) sind in den letzten Jahren um mindestens zehn Prozent auf 33469 (2015) abgesackt. Das soll sich mit Brosseits Hilfe bald wieder ändern.

Volker Eberts