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Niederschrift des Sparkassendirektors Hebbecker in Bilstein

über einen Großbrand in Bilstein am 3. April 1964

Am Freitag, dem 3. ds.Mts., ist die besitzung des Landwirts Josef Allebrodt in Bilstein durch ein Großfeuer vernichtet worden. Das Feuer ist gegen 15.30 Uhr auf dem Dachboden des Hintergebäudes ausgebrochen. Der Dachboden des an der Hauptstraße liegenden Wohnhauses sowie sämtliche Hintergebäude waren mit Futtervorräten (Heu und Stroh) belegt. Es waren auch Getreidevorräte vorhanden. Das Feuer breitete sich mit rasender Geschwindigkeit auf sämtliche Gebäudeteile, so auch auf das Wohnhaus aus.

Der Bevölkerung von Bilstein wurde der Ausbruch des Feuers zunächst durch Kirchenglocken zur Kenntnis gebracht. Kurze Zeit später lösten Feuerwehr und Polizei einen Großalarm aus. In kurzer Zeit waren folgende Feuerwehren an der Brandstelle:

1. die Ortswehr von Bilstein

2. die Nachbarwehr von Kirchveischede

3. die Feuerwehr von Grevenbrück

4. die Feuerwehr von Elspe

5. die Feuerwehr von Meggen.

Die Feuerwehren von Grevenbrück, Elspe und Meggen rückten mit insgesamt 12 Feuerwehrgerätefahrzeugen an. Darunter befanden sich Feuerwehrtankwagen.

Die Leitung des Einsatzes sämtlicher Feuerwehren lag in den Händen von Amtsbrandmeister Inniger aus Meggen.

Die Dorfbewohner von Bilstein zeigten sich in mustergültigerweise hilfsbereit, insbesondere bei der Rettung der Viehbestände und des Hausinventars. Möbel- und Kleidungsstücke mußten zunächst wahllos in mehreren Nachbarhäusern untergebracht werden.

Das Rindvieh wurde auf eine benachbarte Weide in der Schnettmecke aufgetrieben, die Schweine fanden im Nachbarhaus Kaschel eine Notunterkunft. Am Abend wurde das Vieh von hilfsbereiten Landwirten aus Bilstein in Pflege genommen.

Rechts von der Brandstelle Allebrodt befindet sich das im vergangenen Jahre mit größerem Aufwand renovierte und neu gestaltete Geschäftsgebäude der Amtssparkasse Bilstein. Auf der linken Seite vom Hause Allebrodt liegt das Wohn- und Geschäftshaus Kaschel.

Zwischen dem Hause Allebrodt und dem Hause Kaschel befindet sich die Straße zur Schnettmecke. Das Sparkassengrundstück grenzt mit seinem Hausgarten unmittelbar an die Besitzung Allebrodt. Die Entfernung der beiden Häuser Allebrodt und Sparkasse beträgt 15 m.

Die im Einsatz befindlichen Feuerehren mußten sich außer der Bekämpfung der Brandstelle in der Hauptsache auf die Erhaltung der beiden Nachbarhäusern legen.

Das Sparkassengebäude wurde mehrere Stunden durch 2 Feuerwehrleitungen unter Wasser gehalten. Durch die große Hitze, die sich namentlich am Hinterhause des Sparkassengebäudes entwickelte, zersprangen Fensterscheiben in der Wohnküche und auf der Toilette.

Farbe und Lack an den Fensterläden bilden sich zu Blasen. An der Dachfirst über der Bodenluke entstand vorübergehend eine Brandstelle die aber im Keim erstickt werden konnte. Der Schiefer auf der linken Seite des Dachgebäudes der Sparkasse war kochendheiß.

Der Dachboden des Allebrod´schen Hinterhauses war mit Zinkplatten abgedeckt. Diese Zinkplatten erzeugten eine besonders große Hitze. Die ausströmenden Hitzewelen gefährdeten das angrenzende Sparkassengebäude in besonderem Maße.

Die im Einsatz befindlichen Feuerwehren hatten gegen 19 Uhr eine kontrolle über die Brandstelle und die anliegenden Häuser. Zu Schwierigkeiten kam es bei dem Abbruch der Giebelwand zur Straßenseite, die dann aber fachmännisch überwunden werden konnten. Der große Schornstein, der sich in der Mitte des Wohnhauses befand, wurde aus Sicherheitsgründen von Fachkräften umgelegt.

An der Brandstelle erschienen im Laufe des Nachmittags Polizei- und Kriminalbeamte und ein Bautrupp des EWS Siegerland, der die zerstörten Lichtleitungen wieder in Ordnung brachte.

In den späten Abendstunden traf auch Kreisbrandmeister Heller von Olpe an der Brandstelle von Bilstein ein.

Ich selbst befand mich beim Ausbruch des Feuers im Büro der Hauptstelle der Amtssparkasse in Grevenbrück. Nachdem ich über den Ausbruch des Feuers tel. informiert war, traf ich gegen 16 Uhr an der Brandstelle ein.

Im Sparkassengebäude in Bilstein befinden sich die Geschäftsräume der Hauptzweigstelle Bilstein, das Büro der Gemeindeverwaltung Kirchveischede und die Dienstwohnung des Unterzeichneten.

Das zwischen dem Hause Allebrodt und den Sparkassengebäude liegende Gartengrundstück der Sparkasse ist durch Brandschaden erheblich beschädigt worden.

Nachdem die Gefahr für eine weitere Ausbreitung des Feuers beseitigt worden war, übertrug Brandmeister Inniger der örtlichen Feuerwehr von Bilstein die Brandwache für die kommende Nacht. Vorher ließ er alle noch anwesenden Feuerwehrmänner zu einem Appell auf der Straße zwischen dem Hause Kaschel und dem brandgeschädigten Hause Allebrodt antreten.

Amtsbrandmeister Inniger sprach seinen Feuerwehrmännern für den wieder einmal bewiesenen Einsatz Dank und Anerkennung aus. In seinen weiteren Ausführungen wandte sich Amtsbrandmeister Inniger an die noch zahlreich anwesende Bilsteiner Bevölkerung. Er bat diese sich bei der Gemeindeverwaltung Kirchveischede , vielleicht über den Weg der einzelnen Gemeidevertreter, für einen baldige bessere Ausstattung der freiwilligen Feuerwehr von Bilstein einzusetzen. Der Bilsteiner Wehr steht weder ein Gerätehaus noch ein Feuerlöschfahrzeug zur Verfügung.

Brandmeister Inniger schloß seine mit Beifall aufgenommene Ansprache mit dem Gelöbnis, daß die ihm unterstellten Feuerwehrmänner auch in Zukunft zu jeder Zeit bereit sind, Hab und Gut der Mitmenschen zu schützen und zu schirmen, getreu nach dem Grundsatz :

Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr!

Im Namen der noch anwesenden Bevölkerung sowie auch im Namen der Familie Allebrodt habe ich Amtsbrandmeister Inniger und seinen Feuerwehrmänner Dank und Anerkennung der Bilsteiner Dorfgemeinschaft für die erwiesene Einsatzbereitschaft ausgesprochen.

Ich habe mich bei den Feuerwehrmännern sodann persönlich dafür bedankt, daß sie das Bilsteiner Sparkassengebäude vor einem großen Brandschaden gerettet haben. Die Bilsteiner Bevölkerung ist sich darüber einig, daß das Sparkassengebäude nicht erhalten geblieben wäre, wenn die auswärtigen schlagkräftigen Feuerehren nicht so schnell an der Brandstelle erschienen wären und den Ernst der Lage erkannt hätten.

Dem nach dem durchgeführten Appell erschienen Kreisbrandmeister Heller habe ich ebenfalls Dank und Anerkennung für seine Feuerwehrmänner ausgesprochen.

Nach Abzug der auswärtigen Feuerwehren übernahm die Bilsteiner Wehr die ihr übertragene Brandwache. Alle Feuerwehrmänner von Bilstein befanden sich dabei bis in die frühen Morgenstunden im stetigen Einsatz. Der Brandherd, insbesondere aber zur seite des Sparkassengebäudes mußte immer wieder mit Wasser unter Kontrolle gehalten werden. Der Funkenflug zum Sparkassengebäude bedurfte einer dauernden Abwehr.

Ich habe mich persönlich bis morgens 5.30 Uhr an der Brandwache beteiligt.

Am Samstag gegen 10 Uhr traf in Bilstein Oberinspektor Schuhmacher von der Aachener- und Münchener Feuer-Versicherung aus Dortmund ein. Den genannten Beamten wurden auch die Schäden am Sparkassengebäude und die Beschädigungen des Sparkassengartens gezeigt. Das Gebäude der Sparkasse ist bei der Provinzial Feuer-Sozietät in Münster Versichert.

Oberinspektor Schuhmacher teilte mit, daß der Schaden der Sparkasse bei der Sozietät angemeldet werden müsse. Die beiden Versicherungs Gesellschaften werden sich später gegenseitig auseinandersetzen.

Für die Amtssparkasse Bilstein ist wichtig festzuhalten, daß sich die Schäden an dem Schieferdach des Sparkassengebäudes erst später, vielleicht erst bei Eintritt der nächsten Frostperiode, herausstellen werden. Eine Schadensregulierung kann daher nur unter Vorbehalt anerkannt werden.

Es soll erwähnt werden, daß die Bilsteiner Treckerbesitzer ihre Fahrzeuge am Samstag, dem 4. April, den ganzen Tag für den Abtransport der vorhandenen Schuttmengen, die auf dem Bürgersteig und auf der linken Hausseite Allebrodt lagerten, zur Verfügung gestellt.

Im Laufe des Samstag nachmittag und der darauffolgenden Nacht zum Sonntag, mußte der Brandherd auf der Sparkassenseite immer wieder unter Kontrolle gehalten werden. Da die Feuerwehrschläuche nicht mehr zur Verfügung standen, wurde das Feuer mit einem Gartenschlauch bekämpft.

Für das Sparkassengebäude habe ich mit meinen Familienangehörigen in der Nacht von Samstag bis Sonntag die Brandwache übernommen.

Bilstein (Sonntag), den 5. April 1964

Hebbecker

Sparkassendirektor