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1827 Großbrand in der Freiheit Bilstein
Am 30.Juli 1827 brach in der Freiheit Bilstein ein Brand von enormen Ausmaßen aus. Bürgermeister A. Sommer berichtet am 31. Juli an den Landrat in Olpe folgendes. „Gegen 11 Uhr in der Nacht – von Montag auf Dienstag – brach in dem Hause des Rinscheid gent. Schumacher Feuer aus und es sind nur das Posthaus Schuster Brüggemanns, Kramers, Apotheke, Franz Kremer, Vikarie, Ohm, die Häuser herauf und drei auf jenseits des Wassers nach Benolpe hin stehen geblieben, fast nichts ist den Verbrannten gerettet und das Elend ist so groß, daß alle mögliche Hilfe und Collekten angewandt werden muß, um das Elend doch etwas mildern zu können."
Am gleichen Tage berichtet der Landrat – Casper Ferdinand Freusberg – an die königl. hochlöbl. Regierung, Abt. des Inneren, in Arnsberg im gleichen Sinne und fügt noch folgendes hinzu: „Das Feuer hatte bei der vorgegangenen Dürre und dem starken Winde schon die mehrsten Häuser erfaßt, ehe auswärtige Hilfe zum Löschen ankam. 28 Häuser und einige Nebengebäude sind dabei total verbrannt. Das königliche Schloß, das Schulvikarie Haus, das Posthaus, die Apotheke und zehn andere kleine Häuser, die sämtlich außer dem Orte stehen, sind bei dem Vorgang unbeschädigt geblieben. Eine alte Frauensperson, die geistesschwach war, wird vermißt, königl. Justizamt soll jedoch der vorläufigen Benachrichtigung zufolge die Registratur und die vorzüglichsten Papiere größtenteils in Sicherheit gebracht haben."
Die Berichte decken sich mit den Ausführungen Hugo Maubachs, der über den Brand in Bilstein eine lokalhistorische Studie schrieb. Maubach verkündete, daß außer der oben erwähnten schwachsinnigen Person, es handelt sich um die 54 Jahre alte Anna Maria Viedenz – noch der 71 jährige Krämer Christoph Kebbekus in den Flammen geblieben seien. Die Reste von beiden wurden am 1. August zu Veischede in einer Zuckerkiste beerdigt.
Aus den Aufzeichnungen Kremers berichtet Maubach noch weiter:
„Auch oblag viel Vieh dem Feuer, und Möbel sind fast keine gerettet. Auch traf es bei vielen zu, daß sie, ohne sich anzukleiden, vor den Flammen die Flucht nehmen mußten. Ich selbst (Kremer) als Knabe von sieben Jahren wurde mit meiner Schwester an der Hand von meinem Vater sel. in einen hinter dem Wasser belegenen Garten ohne Kleidung hingeschafft. Später führte er uns zu einer Wiese, Hatzfelds Kälberhof (in der Schnettmecke) genannt, wo für uns Betten auf dem Rasen ausgebreitet waren. Meinem Vater waren 22 Schafe und dem Nachbar ein Pferd verbrannt."
Die Gewalt des Feuers geht auch noch daraus hervor, daß das Efeu an den Schloßfenstern von der Glut versengt worden sei. Viele Einwohner haben, wie meine Mutter aus Erzählungen ihrer Eltern wußte, nur mit Hemd bekleidet, die Flucht ergriffen und sind nach Veischede und Bonzelerhammer gelaufen. leider ist die erste Ursache des Brandes im Hause Rinscheid gent. Schumacher nicht festzustellen. Dieser ergibt sich aus dem Berichte des Landrats vom 11. August 1827 an die Regierung in Arnsberg, in dem er mitteilt, daß dadurch, daß Rinscheid im Begriff gewesen sei, ein neues Haus zu bauen, vermutet werden könne, das Feuer sei absichtlich angelegt, wenn diesem nicht entgegenstände, daß das abgebrannte Haus nur zu 40 Thlr. in dem Brandkataster eingesetzt sei und diese Summe, wenn im Hause auch alles gerettet worden wäre, zu unbedeutend sei, als daß dadurch der Verdacht einer absichtlichen Brandstiftung begründet werden könne.
Zudem sei dem Rinscheid, der obendrein allgemein als ein reeller Mann anerkannt werde, an Vieh, Gerätschaften, Kleidungsstücken und Lebensmitteln soviel verbrannt und verdorben, als vielleicht die Brandgelder betragen hätten. Dafür, daß ein fremder Mordbrenner das Feuer angelegt habe, spreche kein einziger Verdachtsgrund. Nur in einem unbekannten Naturereignis oder in einer Nachlässigkeit könne daher die Veranlassung des Brandes zu suchen sein." Um den Brandgeschädigten zu helfen, wurde gesammelt, gespendet und ein „Hülfsverein" gegründet. Sogar Steuererleichterungen wurden den Betroffenen gewährt. „Schon bald nach dem Brand wurden die ersten Vorbereitungen für den Wiederaufbau der Freiheit Bilstein getroffen. Der Wiederaufbau war im Herbst 1828 größtenteils beendet, allerdings sind die letzten Brandentschädigungen erst im November 1834 gezahlt worden.
Die unter moderneren und zweckmäßigeren Gesichtspunkten durchgeführte Bauweise hat zwar die Gefahr großer Brände , wie wir sie nicht allein in Bilstein, sondern auch in vielen anderen Orten unserer Heimat in früheren Jahrhunderten zu beklagen hatten, auf ein geringes Ausmaß eingedämmt. Immerhin entstehen aber noch Brände aus nicht zu ergründenden Ursachen, die das Volksvermögen vernichten und Menschenleben in große Gefahr bringen.
Hier tritt selbstlos in steter Einsatzbereitschaft umd Kameradschaftlichkeit die Feuerwehr ein, getreu ihrem Grundsatz:
„Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr!"
Bericht : Kreisoberinspektor Fritz Hesse 1949