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Johann II von Bilstein
Der Lowwerhannes zu Bilstein
Seit etwa dem Jahre 1225 hauste auf dem Bilstein in fester Burg ein altes Adelsgeschlecht, das sich nach seinem Wohnsitz von Bilstein nannte. Die Edelherren von Bilstein, reich begütert an Land und Leuten, galten bald als Ebenbürdige der vornehmsten Adeligen Westfalens. Leider starb das Geschlecht nach eineinhalb Jahrhunderten schon aus, das manche bedeutende Männer dem Sauerlande und der Kirche geschenkt.
Der letzte seines Stammes, Johann II., Sohn Dietrichs III., des Erbauers der Fredeburg, lebte zurückgezogen und einsam auf seinem ragenden Schlosse. Wenig kümmerte er sich um öffentliche Angelegenheiten, lehnte aber auch alle Zudringlichkeiten seiner nach dem reichen Erbe lüsternen Verwandten entschieden ab. Als sie ihm deshalb geringschätzig behandelten, setzte er das Kölner Erzstift zum einzigen Erben seiner ausgedehnten Besitztümer ein. Von da an sah man ihn bis zu seinem Tode schweigsam und schwermütig auf den weiten Waldespfaden lustwandeln, stets in der hohen, breiten Halskrause, wie sie im Mittelalter gebräuchlich war.
Er mied die Menschen, die ihn wegen seiner Halskrause den "Lowwerhannes" nannten. Und als er lange gestorben, sah man ihn immer noch in den Gängen und Gemächern der Burg, wie auf den altgewohnten Pfaden in Wiesen und am Waldessaum. Noch heute kann ihm der einsame Wanderer in mondheller Nacht an stiller Stätte begegnen.
Mit ihm sank das dur Tapferkeit und Tugend, durch Milde und Klugheit berühmte Geschlecht der Edelherren von Bilstein ins Grab.
Heute ist der "Stammsitz des Lowwerhannes" eine weithin bekannte Jugendherberge.
entnommen aus : Sagen des Sauerlandes - Grobbel Verlag Fredeburg